Stöcker und sein Antigen

Wer ist umstrittener Mediziner Stöcker, der „beste Impfung gegen Covid-19“ getestet und entwickelt hat?

Auf seinem Blog postet Dr. Winfried Stöcker, er habe den „besten Impfstoff gegen Covid-19“ entwickelt. Diesen hat er bereits im Frühjahr 2020 in der Nähe von Lübeck an sich selbst und dann auch an seiner Familie ausprobiert – seinen Berichten nach mit Erfolg.

Anders als die bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe wie BioNTech-Pfizer und Moderna nutzt Winfried Stöcker, Gründer des Unternehmens EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG, ein technisch hergestelltes Antigen, er spricht von einem Totimpfstoff.

Laut einem Artikel im SPIEGEL ermittelt jetzt das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein gegen den Labormediziner wegen der Tests an dessen Familie.

Was steckt dahinter?

Ein Beitrag von Focus Online unter dem Titel „Mediziner Stöcker und sein Antigen in der Kritik. Nicht nur der Mediziner, der nach eigenen Angaben ein hoch wirksames, aber verschmähtes Antigen gegen das Corona-Virus entwickelt hat, wird von Propaganda auseinandergenommen – sondern auch gleich noch eine Journalistin. Der Beitrag ist derartig entlarvend, dass sich ein genauerer Blick lohnt. Umso mehr, als Focus Online zum Burda-Verlag gehört. Und dessen Berliner Büro von keinem anderen geleitet wird als von Daniel Funke, dem Ehemann des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU). Alles in der Familie, sozusagen.

Auslöser für den Artikel ist ein Video auf Spiegel TV, in dem über das Antigen des Mediziners Winfried Stöcker berichtet wird. Und zwar lobend. Stöcker ist bereit, sein Mittel kostenlos zur Verfügung zu stellen und beschwört seine Wirksamkeit. Doch statt Begeisterung von den Behörden bekam er eine Strafanzeige von ihnen. Die Art und Weise, wie in dem Focus Online-Beitrag nun versucht wird, das Video über Stöcker zu diskreditieren, ist mehr als entlarvend. Da wird zum einen zwischen den Zeilen unterstellt, in dem Spiegel-Beitrag seien Christian Drosten und Hendrick Streeck falsch zitiert worden. Man erwartet sodann den großen Knüller – ein Dementi von den beiden. Stattdessen wird dann ausgeführt, wie der Focus-Online-Autor Drosten und Streeck nicht erreicht hat. Ein im Sande verlaufendes Versuchsargument um die eigene Schussrichtung zu rechtfertigen!

Es wird noch abenteuerlicher: „Vorsicht ist hinsichtlich Stöcker allerdings auch aus anderen Gründen geboten“, heißt es in dem Beitrag. Und nun die Überraschung: „Auf seinem Internet-Blog hetzt der Gründer des vor vier Jahren für 1,2 Milliarden Euro verkauften Unternehmens EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG, das sich auf Infektionen spezialisiert hatte, gegen die Regierung und bekommt vor allem Beifall von der AfD, den er an mehreren Stellen zurückgibt, etwa bei der Wahl des thüringischen Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) mit den Stimmen der AfD.“ Wird der Mediziner nicht gehört, weil er nicht Regierungskonform ist?

„Ich habe das Paul-Ehrlich-Institut um die Genehmigung gebeten, diese bagatellartige Immunisierung umgehend mit einer größeren Zahl Freiwilliger nachvollziehen zu dürfen, um festzustellen, ob sie ebenso gut funktioniert wie bei mir und meiner Familie. (…) Anstelle auf meinen Vorschlag einzugehen, hat mich das Paul-Ehrlich-Institut kaltschnäuzig verklagt. Vielleicht weil man sich in seiner göttlichen Funktion übergangen fühlte – ich hatte ja bereits einen Versuch bei fünf (!) Personen durchgeführt.“ „Auch an die Virologen Christian Drosten und Hendrik Streeck hat Winfried Stöcker seinen Impfstoff geschickt – seinen Aussagen zufolge hätten sie die Wirksamkeit bestätigt.“

Auf seiner Internetseite schreibt Stöcker in einem Artikel vom 5. Februar 2021

Seit Wochen versucht der Unternehmer, seinen Impfstoff der Öffentlichtkeit zur Verfügung zu stellen. Stöcker schreibt: „Die Not rechtfertigt unkonventionelle Mittel – bei dieser Pandemie kann man nicht zwei Jahre warten, bis wie bei anderen Impfstoffen letzte Zweifel über mögliche Nebenwirkungen beseitigt sind, sondern hier muss schnell gehandelt werden. In diesem Punkte muss man dem Paul-Ehrlich-Institut völliges Versagen vorwerfen.“ hatte der unkonventionelle Mediziner seine Selbstversuche mit Spritzen in den Oberschenkel geschildert. Dabei präsentierte er sich auch mit einer elastischen Binde plus Pflaster um Mund und Nase statt Maske.

Das Fazit lautet somit: Vorsicht gegenüber einem Mediziner mit einem Stoff, der möglicherweise sehr vielen helfen könnte, ist geboten, weil dieser Mediziner Kritik an der Regierung übt und von einer Oppositionspartei gelobt wird. Kritik an der Regierung als „Hetze“ – genau das ist wirkliche Hetze. Und das liest man in einem Medium, dessen Verlag mit dem Gesundheitsminister verbandelt ist. Die Vorwürfe gegen den Mediziner gehen noch weiter: „Flüchtlinge wollte er ‘am liebsten zurück in ihre Heimat schicken‘ und auch zur #MeToo-Bewegung hat er eine Meinung. Mädchen sollten „zurückhaltender gekleidet und weniger provozierend zum Casting gehen, dass die armen Regisseure auf dem Pfad der Tugend bleiben“.

Es klingt wie Satire und es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre und nicht so viel über den Zustand der Medien und die Demokratie-Defizite hierzulande aussagen würde. Im Zweifelsfall, so zumindest der Schluss, der sich aufdrängt, gehen Regierungstreue und Ideologie vor Gesundheit.

‘Haltung‘ vor Menschenleben

Dieser Focus Beitrag ist nicht ein einmaliger Ausrutscher eines Einzelnen. Er steht für die Denkart, die heute in weiten Teilen der Medien vorherrscht und durch und durch ideologisiert ist. Wir hatten in unserem Artikel „Cancel Culture“ darüber berichtet. Stöckers Erfindung, so die Diagnose, hätte zumindest nach allem was bekankt ist, verdient, überaus ernst geprüft zu werden. Zumal er selbst auf alle finanziellen Ansprüche verzichtet und bereit ist, sie kostenlos zur Verfügung zu stellen.

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